Eine der häufigsten Fragen, die Maklerunternehmer stellen, lautet: Was ist mein Unternehmen eigentlich wert? Die Antwort ist selten einfach - und oft überraschend. Denn der Wert eines Maklerunternehmens hängt von weit mehr ab als dem Jahresumsatz oder der Höhe der verwalteten Courtageeinnahmen. Wer die entscheidenden Bewertungsfaktoren kennt, kann gezielt an seinem Unternehmenswert arbeiten - lange bevor ein Verkaufsprozess beginnt. Einen Überblick über alle Verkaufswege finden Sie auf unserer Seite Versicherungsmakler verkaufen.
Warum pauschale Multiplikatoren keine Bewertung ersetzen
Im Markt kursieren Faustformeln - etwa ein bestimmtes Vielfaches der Jahrescourtage oder des EBITDA. Solche Multiplikatoren sind das Ergebnis abgeschlossener Transaktionen, nicht deren Grundlage. Sie fassen zusammen, was Käufer für vergleichbare Unternehmen gezahlt haben, sagen aber nichts darüber aus, wo Ihr Unternehmen innerhalb der Bandbreite liegt. Zwei Maklerunternehmen mit identischem Courtagevolumen können am Markt sehr unterschiedliche Preise erzielen: Ein digitalisiertes Unternehmen mit hoher Kundenbindung, stabilem Mitarbeiterteam und klarer Gewerbekundenspezialisierung wird deutlich höher bewertet als ein stark inhaberabhängiger Betrieb mit veralteten Verwaltungsprozessen und hohen Stornoquoten - selbst bei identischem Jahresumsatz.
Diese Erkenntnis ist entscheidend: Der Unternehmenswert lässt sich aktiv gestalten. Wer die Stellhebel kennt und frühzeitig ansetzt, kann den erzielbaren Kaufpreis erheblich beeinflussen - ohne den Umsatz zwingend erhöhen zu müssen.
Welche Informationen in die Bewertung einfließen
Käufer und Investoren bewerten Maklerunternehmen anhand eines differenzierten Kriterienkatalogs. Die folgende Übersicht zeigt, welche Unterlagen und Kennzahlen Sie für eine belastbare Bewertung zusammenstellen sollten:
Courtage- und Ertragslage
- Courtageabrechnungen der letzten drei Jahre, getrennt nach Abschluss- und Bestandscourtage
- Bereinigte Ergebnisrechnungen (EBITDA): Einmal- und Inhabereffekte transparent herausgerechnet
- Kostenstruktur: Personal, IT, Miete, sonstige Fixkosten - nachvollziehbar aufgeschlüsselt
Bestand und Kundenstruktur
- Bestandsübersicht nach Sparten, Kundensegmenten und Altersstruktur der Verträge
- Stornoquoten über mehrere Jahre sowie Kennzahlen zur Kundenbindung
- Gewerbe- oder Privatkundenanteil: Gewerbekundenbestände erzielen in der Regel höhere Bewertungen
- Kundenkonzentration: Wie verteilt sich der Bestand auf einzelne Großkunden?
Organisation und Zukunftsfähigkeit
- Mitarbeiterstruktur: Qualifikation, Erfahrung, Betriebszugehörigkeit und Bindung ans Unternehmen
- Digitalisierungsgrad: Maklerverwaltungsprogramm, CRM, digitale Prozesse und Kundenkommunikation
- Wachstumspotenzial: Perspektiven für organisches und anorganisches Wachstum
- Inhaberabhängigkeit: Je geringer die Abhängigkeit von Ihrer Person, desto wertvoller aus Käufersicht
Diese Faktoren bestimmen gemeinsam, welcher Multiplikator auf die bereinigten Courtageeinnahmen oder das EBITDA angewendet wird - und damit den erzielbaren Kaufpreis.
Unternehmensverkauf oder Bestandsverkauf - was wird eigentlich bewertet?
Ob der ermittelte Wert ein Unternehmenswert oder ein Bestandswert ist, hängt vom Transaktionsmodell ab: Beim Unternehmensverkauf fließen Mitarbeiter, Prozesse, Marke und Wachstumspotenzial in die Bewertung ein; beim Bestandsverkauf werden ausschließlich Kundenverträge und Courtageansprüche bewertet. Die ausführliche Gegenüberstellung beider Wege finden Sie in unserem Artikel Maklerbestand oder Maklerunternehmen verkaufen: Unterschiede und Vorbereitung. Klären Sie diese Grundsatzfrage, bevor Sie über Zahlen sprechen - sie bestimmt, welche Unterlagen relevant sind und welche Käufer überhaupt in Frage kommen.
Wann sollte eine Unternehmensbewertung erfolgen?
Eine professionelle Unternehmensbewertung ist kein Luxus, der erst kurz vor einem geplanten Verkauf sinnvoll ist. Idealerweise erfolgt sie zwei bis fünf Jahre vor einer geplanten Transaktion. Warum so früh? Weil eine frühzeitige Bewertung aufzeigt, wo das Unternehmen heute steht - und welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden können, um den Wert bis zum Verkaufszeitpunkt gezielt zu steigern. Schwachstellen lassen sich so beseitigen, bevor sie in einer Käufer-Due-Diligence zum Problem werden.
Eine Bewertung ist auch dann sinnvoll, wenn kein unmittelbarer Verkauf geplant ist - etwa für strategische Entscheidungen, Erbfolgeplanung oder Gesellschaftervereinbarungen. Steuerliche und vertragsrechtliche Folgefragen sollten dabei stets mit den jeweiligen Fachberatern geklärt werden; eine Unternehmensbewertung ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.
Was bedeutet das für Versicherungsmakler?
Wer den Wert seines Maklerunternehmens kennt, schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen - sei es für einen Unternehmensverkauf, einen Bestandsverkauf oder eine schrittweise Nachfolge. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme auf Basis der oben genannten Informationen. Im vertraulichen Erstgespräch besprechen wir mit Ihnen, wo Ihr Unternehmen steht und welche Schritte sich als Nächstes lohnen.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Für unternehmensspezifische Entscheidungen wird die Konsultation qualifizierter Fachleute empfohlen. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen.